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Zeitpunkt und Zielperson eignen sich für die Inszenierung: Kurz vor der Europawahl muss sich die laut Forsa-Umfrage bekannteste Europa-Politikern
Silvana Koch-Mehrin für ihre Arbeit im Europa-Parlament rechtfertigen. Angestoßen wurde die Debatte von der
Frankfurter Allgemeinen Zeitung und dem Portal
Parlorama, das die Anwesenheit der Abgeordneten dokumentierte.
Der Streit dreht sich um eine Statistik der Anwesenheit zu Sitzungen der Ausschüsse und des Plenums im Europa-Parlament. Andere Termine - etwa Bürgerforen, Reden vor Ort oder die koordinierende Arbeit innerhalb der Fraktion fließen nicht ein in die Debatte. Vielmehr erweckt der Streit den Anschein, als beschränke sich aktive Europa-Politik auf Parlamentsbänke.
Fehlerhafte Fehlzeiten
Die Website Parlorama erscheint als Informationsquelle zumindest fragwürdig.
Wer sich durchklickt, sucht vergeblich einen Anhaltspunkt, wer das Projekt finanziert. Entsprechende Verweise laufen ins Leere. Das zugehörige Blog startete Ende April, wurde schnell wieder abgeschaltet und später wieder in Betrieb genommen. Die zu Grunde liegenden Zahlen kommen von der Website des Europa-Parlaments
europarl.eu. Allerdings ist die Auswertung der Daten heftig umstritten. Beispielsweise wurden bulgarische und rumänische Beobachter, die nur ein paar Monate im Parlament verbrachten, als Vollzeit-Abgeordnete erfasst und für ihre Fehlzeiten angeprangert.
Erfasst wurden die Daten von 921 Abgeordneten die bis zum 31. Dezember 2008 im Europa-Parlament waren, ihre Anwesenheit, Abwesenheit, Dauer der parlamentarischen Tätigkeit, die Reden im Parlament, die Zahl der Berichte, schriftliche Anfragen. Die Noten für Anwesenheit und Tätigkeit flossen dann im Verhältnis 1 (Anwesenheit) zu 2 (Tätigkeit) in die generelle Bewertung ein, die dann in ein Ranking einfloss. Dabei wurden Extremwerte gestrichen - und somit jende Abgeordnete bestraft, die sich in ihrer Arbeit auf wenige Tätigkeiten beschränken, diese aber intensiv bearbeiten.
Nicht erfasst werden Bürgertermine, Reden, die Koordinationsarbeit in der Fraktion und die Internet-Präsenz. Die Website selbst relativiert ihre eigene Statistik. Es komme vor, dass nicht alle Zeiten eines Parlamentariers erfasst wurden, etwa im Falle, dass er sich nicht für eine Sitzung registierte oder den Fälle, in denen die Unterschriftenliste nicht öffentlich ist (das gilt für einige Kommissionen).
Im Journalismus ist es stets wichtig zu hinterfragen, warum eine Quelle gerade jetzt eine Information verbreitet. Zumal wenn diese Information eigentlich ein halbes Jahr alt war.
(jow)
