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Viele Energieexperten haben zurzeit nur noch die Wüste im Kopf. Foto: dpa

Es klingt immer noch nach einer Utopie von Jules Verne. Ein Konsortium aus 20 deutschen Unternehmen unter Führung der Münchener Rück will in der Wüste Nordafrikas solarthermische Kraftwerke errichten, die bis 2050 rund 17 Prozent des europäischen Strombedarfs decken könnten. Geplante Investitionssumme: 400 Milliarden Euro. Ab 2020, so hoffen die Akteure, könnte erster Strom aus der Sahara nach Europa fließen.

Seit der Ankündigung des Jahrhundert-Projekts Ende Juni ist kaum ein Tag vergangen, an dem sich nicht ein Beteiligter, Unterstützer oder Kritiker zu Wort meldete. Die Gegnerschaft wird angeführt vom Solarstrom-Visionär Hermann Scheer (SPD), MdB und Präsident des gemeinnützigen Verbandes Opens external link in new windowEUROSOLAR. Scheer warnt, das Projekt könne sich als 'Fata Morgana' entpuppen (Opens external link in new windowEurActiv.de vom 19. Juni 2009).

Trotzdem: Technisch gilt Desertec als machbar. Auch die Netzfrage - wie kommt der Strom nach Europa? - scheint lösbar zu sein.

Wenn sich die Akteure heute in einem Konferenzraum des Versicherungskonzern Münchener Rück in München treffen, wird eine Frage aber noch zu klären sein: Wer soll die gigantische Investitionssumme aufbringen, zumal die nordafrikanischen Länder nicht unbedingt als absolut stabile Regionen gelten?

Politische Einbettung: Union für den Mittelmmeer-Raum

Politisch soll Desertec in die "Union für den Mittelmmeer-Raum" eingebettet werden, heißt es in einer Opens external link in new windowErklärung des deutschen Staatsministers Günter Gloser (Auswärtiges Amt), der heute am Gründungstreffen teilnimmt. Deutschland habe Desertec als Leuchtturmprojekt in die Union für den Mittelmeerraum eingebracht, heißt es weiter. Staatsminister Gloser, der die Union für den Mittelmeerraum und ihre Vorläufer seit Mitte der neunziger Jahre begleitet, erklärte im Vorfeld des Treffens: "Mit Strombezug aus Nordafrika stellen wir unsere Energieversorgung auf eine breitere regionale Grundlage."

Beobachter fragen sich inzwischen, ob die Wahl des Gründungstermins ein Zufall ist oder mehr dahinter steckt. Denn just am 13. Juli feiert die Mittelmeerunion ihr einjähriges Bestehen. Die Münchner Rück wollte hierzu auf Nachfrage von EurActiv noch nicht Stellung nehmen.

Staatliche Gelder über die Mittelmeerunion?

Ob die bisher schleppend verlaufene Partnerschaft (Opens external link in new windowEurActiv.de vom 25. Juni 2009) zwischen der EU und den Mittelmeeranrainerstaaten von der  Wüstenstrom-Vision derart elektrisiert wird, dass sie auch finanzielle Unterstützung bietet, bleibt abzuwarten.

Im jüngsten Finanzierungsplan (Opens external link in new windowEurActiv.de vom 10. Juli 2009) der Mittelmeerunion wird auch ein Solarstromprojekt genannt. Die Möglichkeiten der Solarstrom-Gewinnung im Mittelmeerraum sollen weiter erforscht werden. Mit Blick auf die astronomischen Desertec-Kosten fällt das Budget hierfür jedoch mit 5 Millionen Euro bescheiden aus.

Allerdings deutete jüngst Bundeskanzlerin Angela Merkel an, man könne EU-Gelder in den Wüstenstrom-Plan einbringen (Opens external link in new windowEurActiv.de vom 24. Juni 2009). Auch Kommissionpräsident José Manuel Barroso fand warme Worte. "Projekte solchen Ehrgeizes und solcher Unerschrockenheit werden helfen, die Vision einer kohlendioxidarmen europäischen Gesellschaft mit Leben zu erfüllen, die ich für Europa habe", so Barroso bei einem gemeinsamen Auftritt mit Merkel auf dem Jahreskongress des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (Opens external link in new windowBDEW) am 24. Juni 2009 in Berlin. Desertec biete zudem die Chance für ein positives gemeinsames Entwicklungsprojekt Europas mit seinen südlichen Nachbarn.

Desertec: Fünf bis zehn Jahre Zuschuss benötigt


Der Aufsichtsratsvorsitzende der Desertec-Stiftung, Gerhard Knies, Opens external link in new windowäußerte am Morgen vor dem Treffen im Deutschlandradio, die Investitionen kämen "voraussichtlich aus dem privaten Sektor". Allerdings ist die öffentliche Hand nicht ganz aus dem Spiel: "Was wir zu Anfang noch brauchen, ist vielleicht fünf bis zehn Jahre lang einen gewissen Zuschuss aus öffentlichen Mitteln, um die notwendige Umstellung der globalen Stromerzeugung von schmutzigem Strom auf sauberen Strom zu beschleunigen", so Knies. Konkrete Zahlen nannte er nicht.

Kritik an möglicher Unterstützung

In einem Opens external link in new windowGastkommentar für die Deutsche Welle sprechen sich die Nordafrika-Experten Matthias Ruchser und Stefan Gänzle vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) dagegen aus, dass die EU im Rahmen der Mittelmeerunion das finanzielle Risiko für privatwirtschaftliche Projekte wie die Desertec-Initiative auffängt. Anders sehe es bei der Förderung des Netzausbaus im gesamten Mittelmeerraum aus. "Der Netzausbau ist unter dem Gesichtspunkt der öffentlichen Daseinsvorsorge zu sehen und deshalb könnte die EU einen wichtigen Beitrag zur kollektiven Energieversorgungssicherheit im Mittelmeerraum leisten und damit langfristig für eine Sicherheitsdividende sorgen", heißt es in dem Kommentar. 

Alexander Wragge

Pressekonferenz zu Desertec ab ca. 12.30 Uhr live auf der Seite der Opens external link in new windowMünchener Rück.

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