Europaweit sollten die Migranten am 1. März ihre Arbeit niederlegen, den Konsum verweigern und so der Mehrheitsgesellschaft ihren wichtigen gesellschaftlichen Nutzen beweisen. Italien und Frankreich standen im Fokus der Aktionen. Doch auch in Spanien und Griechenland fanden Migranten-Proteste statt. Hinter dem Projekt steht "24 Stunden ohne uns". Die Initatoren des Projekts haben mehrere Tausend Migranten für den Streik mobilisiert können.
Ernüchterung in Italien
Nach Angaben des französischen Teams beteiligten sich etwa 7000 Migranten an der Aktion, etwa die Hälfte davon in Paris. Besonders groß waren die Erwartungen an die Proteste in Italien, doch dort herrscht nun große Ernüchterung. Obwohl sich etwa 60 Städte am 1. März beteiligt hätten, "gab es viel zu wenige Teilnehmer", sagt Nelly Diop, Sprecherin der italienischen Initiatoren, im Gespräch mit EurActiv.de. Besonders problematisch sei gewesen, dass die italienische Politik den Aktionstag für ihre Zwecke politisiert habe. "Die Migranten haben aber kein Vertrauen in die italienische Politik. Deshalb haben sich die Migranten von den Organisatoren der Aktion eher distanziert", erklärt Diop.
Die Senegalesin spricht auch über die kulturellen Unterschiede zwischen den Migranten-Gruppen. So seien die Einwanderer aus Latainamerika und aus ihrem Heimatland gut mobilisiert worden. Arbeiter aus China oder en Philipinen hätten sich dagegen fast gar nicht an den Streiks beteiligt. Auch gab es in Italien selbst regionale Unterschiede. Im Süden des Landes sei die Beteiligung sehr gering gewesen - so auch in der kleinen Stadt Rosarno. Dort war es im Januar zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Einwanderern und der einheimischen Bevölkerung gekommen.
Diop kündigte die nächsten Protestaktionen für 2011 an. "Das war nur der Anfang. Wir werden nun versuchen, das Vertrauen der Migranten zu gewinnen und alle Migranten-Gruppen des Landes in die Proteste einzubeziehen", kündigte Diop an.
Amnesty International mit dabei
Die Präsidentin von Amnesty International Italien, Christine Weise, erklärt im Gespräch mit EurActiv.de, weshalb Amnesty die Migranten-Proteste unterstützt hat. "Menschenrechte sind kein Privileg für wenige - sie müssen für alle gelten. Amnesty hat '24 Stunden ohne uns' unterstützt, weil solche apolitischen Mobilisierungen mithelfen, die italienische Bevölkerung für die schwierige Lage der Einwanderer im Land zu sensibilsieren."
Die derzeitige Einwanderungspolitik des Landes und vor allem die neuen Sicherheitsgesetze würde das Leben der Einwanderer in Italien sehr schwer machen. "Manche Migranten werden noch auf dem offenen Meer zurückgeschickt. Und wer nach Italien kommt, wird sofort wie ein Verbrecher behandelt", so Weise. Sie fordert, dass denlegalen Einwanderern, die in Italien arbeiten, endlich die gleichen Rechte wie den Italienern gewährt werden sollten. Und jeder Migrant sollte doch zumindest das Recht haben dürfen, einen Antrag auf Asyl stellen zu können.
Frankreich feiert den Erfolg
Nora Hamadi, Sprecherin der französische Organisatoren, zeigt sich äußerst zufrieden mit den Aktionen im eigenen Land. "In Frankreich war der Streik der Migranten ein Erfolg", so Hamadi im Gespräch mit EurActiv.de. Als Erfolg verbucht sie vor allem, dass die Migranten und ihre Wichtigkeit für die heimische Wirtschaft überhaupt thematisiert und von Politikern und Bürgern diskutiert wurde. Auch wenn die Folgen des Kurz-Streiks und des Konsumverzichts wohl kaum spürbar waren, so "haben die Franzosen einen Unterschied gemerkt", meint Hamadi.
Auch in Frankreich ließen sich die manche Einwanderer besser mobilisieren als andere. Vor allem Migranten aus den Maghreb-Ländern, aus Portugal und Afrika hätten sich beteiligt, bestätigt Hamadi. Die französischen Organisatoren planen nun, die Aktion im nächsten Jahr auszuweiten. "Mit den internationalen Teams von '24 Stunden ohne uns' werden wir die nächsten Schritte beschließen. Wir wollen in allen Ländern Europas aktiv sein, weil überall die multikulturellen Realitäten existieren", erklärt Hamadi. Am 1. März sei ein deutsches Team bei den Protesten dabei gewesen und es gebe auch Kontakte zu interessierten Gruppen in Portugal und Belgien.
Hamadi kündigte auch an, sich auch an das Europäische Parlament und die EU-Abgeordneten zu wenden, um dort für Unterstützung zu werben.
Elisa Oddone
