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Der Bundestag erhält neue Rechte in Europa. Foto: pixelio / Andreas Agne

Die Lissabon-Begleitgesetze sind im Bundestag verabschiedet worden. Zugestimmt haben die Fraktionen von CDU/CSU, SPD, FDP, und Grüne. Die Linke hat gegen das Gesetzespaket gestimmt. Bis zum letzten Moment wurde unionsintern diskutiert, wie die CSU trotz ihrer Initiates file downloadgescheiterten Forderung nach einer Entschließung des Bundestages den Begleitgesetzen zustimmen – und ihr Gesicht wahren kann.

Die Ergebnisse der namentlichen Abstimmung gibt es Initiates file downloadhier. Einzige kleine Überraschung: Sowohl bei der SPD als auch bei der FDP hat sich jeweils ein Abgeordneter der Stimme enthalten.

Merkels EU-Botschaft


Der Preis für die Zustimmung der CSU zu den Lissabon-Begleitgesetzen ist hoch: Bundeskanzlerin Angela Merkel wird beim nächsten Gipfel am 17. September den anderen EU-Staats- und Regierungschefs in einer offiziellen Botschaft mitteilen, dass die deutschen Verfassungsorgane an die Urteile des Bundesverfassungsgerichts gebunden seien – auch beim Lissabon-Urteil.

Diese Erklärung sei zwar völkerrechtlich nicht bindend, "aber sie ist von hoher politischer Aussage- und Bindungskraft", hieß es aus Unionskreisen gegenüber EurActiv.de. Die anderen EU-Staaten wären damit auch offiziell über die deutsche EU-Rechtsauffassung informiert.

Angelica Schwall-Düren, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, warnte in der heutigen Bundestagsdebatte, dass die Bundeskanzlerin mit einer solchen Erklärung Deutschland in der EU schwächen und damit schaden werde.

Machtpoker in der Koalition


Thomas Silberhorn
, europapolitischer Sprecher der CSU, hatte bis zum Schluss offen gelassen, ob die CSU dem Gesetzespaket heute im Bundestag zustimmen werde. (siehe Opens external link in new windowEurActiv.de-Interview vom 3. September 2009)

Die EU-Erklärung Merkels habe eine Resolution des Bundestages letztlich überflüssig gemacht, erklärte Peter Gauweiler (CSU) in der Bundestagsdebatte.

Eigene CDU/CSU-Erklärung


Neben Merkels EU-Botschaft hat die Initiates file downloadCDU/CSU-Fraktion eine eigene Erklärung im Bundestag abgeben, die wesentliche Forderungen aus dem gescheiterten CDU/CSU-Resolutionsentwurf enthält.

Die SPD hatte die CSU-Forderungen nach einer Resolution abgelehnt. (siehe Opens external link in new windowEurActiv.de vom 3. September 2009)

Linke lehnen Lissabon-Vertrag ab


Die Linke hat den Lissabon-Begleitgesetzen nicht zugestimmt. Da die Aussichten auf eine erfolgreiche Klage vor dem Bundesverfassungsgericht diesmal aber sehr gering sind, wird die Linke wahrscheinlich auf eine erneute Klage vor dem Bundesverfassungsgericht verzichten.

Zugleich hatte die Linke mehrfach erklärt, dass sie den Lissabon-Vertrag an sich ablehnt und daher die No-Kampagne in Irland beim Lissabon-Referendum unterstützen wird.


Michael Kaczmarek

Hintergrund


Das Bundesverfassungsgericht hatte am 30. Juni 2009 die deutsche Ratifizierung des Lissabon-Vertrages gestoppt. (siehe Opens external link in new windowEurActiv.de vom 30. Juni 2009) Der EU-Vertrag könne erst in Kraft treten, wenn die Mitwirkungsrechte des Bundestages gestärkt seien, so die Karlsruher Richter in ihrem Opens external link in new windowUrteil. Am 26. August fand die erste Lesung der entsprechend geänderten Begleitgesetzgebung im Bundestag statt. Am 8. September hat der Bundestag gegen die Stimmen der Linken den neuen Gesetze zugestimmt.

Der Bundesrat wird den Gesetzen, die die Rechte des deutschen Parlaments bei Europafragen künftig stärken werden, am 18. September voraussichtlich zustimmen. Damit kann Deutschland den Lissabon-Vertrag rechtzeitig vor dem zweiten Referendum in Irland über den EU-Reformvertrag ratifizieren.

Der Lissabon-Vertrag kann erst in Kraft treten, wenn er von allen 27 EU-Mitgliedsstaaten ratifiziert wurde. Bisher haben Deutschland, Irland, Tschechien und Polen den EU-Reformvertrag noch nicht ratifiziert.

Was sich in der EU mit dem Lissabon-Vertrag ändert, hat EurActiv.de im Opens external link in new windowLissabon-Dossier zusammengefasst.

Die Gesetzentwürfe bei EurActiv.de

EurActiv.de veröffentlicht die Gesetzentwürfe, über die bis zum 8. September verhandelt wurde.

Initiates file downloadEntwurf eines Gesetzes zur Änderung des Gesetzes über die Zusammenarbeit von Bundesregierung und Deutschem Bundestag in Angelegenheiten der Europäischen Union

Initiates file downloadEntwurf eines Gesetzes über die Ausweitung und Stärkung der Rechte des Bundestages und des Bundesrates in Angelegenheiten der Europäischen Union

Initiates file downloadEntwurf eines Gesetzes zur Umsetzung der Grundgesetzänderungen für die Ratifizierung des Vertrags von Lissabon

 

Verhandlungspositionen der Parteien


Die Linke: Initiates file downloadForderungen nach Lissabon-Urteil
SPD: Initiates file downloadForderungen nach Lissabon-Urteil
FDP: Initiates file downloadForderungen nach Lissabon-Urteil
CSU:Initiates file download Leitlinien zu Europa

Experten-Interviews zum Lissabon-Urteil


Ingolf Pernice: Opens external link in new windowBVerfG: "Bis hier hin und nicht weiter" (30. Juni 2009)
Andreas Maurer: Opens external link in new windowLissabon-Urteil: Weiter streiten, weiter klagen (1. Juli 2009)
Andreas Geiger: Opens external link in new window"Eine Anmaßung der Karlsruher Richter" (1. Juli 2009)
Eckart Stratenschulte: Opens external link in new windowMehr Rechte, mehr Pflichten: Bundestag vor schweren Zeiten (3. Juli 2009)
Günther Unser: Opens external link in new window"Lissabon-Kritiker beleben die Debatte" (7. Juli 2009)
Gerd Langguth: Opens external link in new windowLissabon und die schallende Ohrfeige (7. Juli 2009)
José Ignacio Torreblanca: Opens external link in new window"Der Lissabon-Streit beschädigt das europäische Projekt" (8. Juli 2009)
Franz Mayer: Opens external link in new window"Endgültiges Scheitern des Lissabon-Vertrags möglich" (13. Juli 2009)


EurActiv.de Link-Dossier: Opens external link in new windowDer lange Weg zum Lissabon-Vertrag

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