Die meisten EU-Bürger (61 Prozent) fürchten, der Höhepunkt der Wirtschaftskrise stehe noch bevor. Das geht aus einer
Studie (englisch) der EU-Kommission hervor, die am 24. Juli 2009 in Brüssel veröffentlichte wurde. Im Juni wurden rund 27.000 Menschen in allen EU-Staaten befragt.
Den größten Optimismus verbreiten die Schweden. Hier meinen 45 Prozent, das Tal sei bereits durchschritten. In Lettland rechnen dagegen 82 Prozent damit, dass die schlimmsten Folgen noch eintreten. Der Pessimismus überrascht kaum, erlebt das Baltikum doch die wohl schärfste Rezession innerhalb der EU (
Euractiv.de vom 8. Juli 2009). So erwartet Lettland in diesem Jahr einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 18 Prozent und kann ohne internationale Hilfe einen Staatsbankrott nicht verhindern (
EurActiv.de vom 21. Juli 2009).
Ängste um den Arbeitsplatz
Jeder Dritte der Befragten fürchtet um seinen Arbeitsplatz. Noch mehr Menschen machen sich Sorgen, dass ihre Partner (38 Prozent) oder Kinder (47 Prozent) arbeitslos werden könnten. "Die Europäer sind verständlicherweise beunruhigt, wenn es um Auswirkungen der Krise auf ihre Arbeitsplätze und Familie geht", kommentierte der EU-Kommissar für Beschäftigung und Soziales, Vladimir Spidla.
Skandinavier fast sorglos, Deutsche zuversichtlich
Am größten ist die Job-Angst in Spanien (65 Prozent) und Litauen (63 Prozent). Am optimistischsten sind die Schweden und die Dänen (jeweils 7 Prozent). In Deutschland bangt etwa jeder Fünfte um seine Arbeit. Immerhin mehr als die Hälfte der Deutschen (61 Prozent) ist demnach zuversichtlich, ihren Job auch in der Krise zu behalten, 16 Prozent stehen der Frage "neutral" gegenüber. In einer Umfrage des Unternehmerverbands der Wirtschaftsjunioren, die Ende April durchgeführt wurde, hielten noch 78 Prozent der Befragten ihren Arbeitsplatz für sicher (
EurActiv.de vom 20.Juli 2009).
5 Millionen Jugendliche in der EU ohne Arbeit
Im ersten Quartal 2009 ist die Arbeitslosenquote in der EU in Folge der Wirtschaftskrise gegenüber dem Vorjahresquartal um 1,5 auf 8,2 Prozent gestiegen. Besonders betroffen: Jugendliche zwischen 15- und 24 Jahren. Hier stieg die Quote um 3,7 auf 18,3 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine
Erhebung der europäischen Statistikbehörde Eurostat vom 23. Juli 2009. In den 27 EU-Staaten sind damit 5 Millionen Jugendliche arbeitslos.
Besonders dramatisch verschlechtert sich die Lage für junge Leute im Baltikum, wo sich die Jugendarbeitslosenquote mehr als verdoppelt hat. In Lettland stieg sie von um 17,2 auf 28,2 Prozent, in Estland um 16,1 auf 24,1 Prozent und in Litauen um 14,1 auf 23,6 Prozent.
Auch in Griechenland spitzt sich die Situation für die Jugend weiter zu. Hier stieg die Quote im Jahresvergleich noch einmal um 2 auf 24,2 Prozent. Griechische Jugendliche hatten vor einigen Monaten gewaltsam gegen die sozialen und ökonomischen Zustände - auch gegen die katastrophale Lage auf dem Arbeitsmarkt - protestiert.
Deutsche Jugendliche noch kaum betroffen
Die geringsten Anstiege bei der Jugendarbeitslosigkeit verzeichnen Deutschland mit einem Plus von 0,3 auf 10,5 Prozent und Polen mit einem Plus von 0,4 auf 18,2 Prozent. Somit steht Deutschlands Jugend in der EU vergleichsweise gut da. Nur in Holland (6 Prozent), Dänemark (8,9 Prozent) und Österreich (9 Prozent) ist die Jugendarbeitslosigkeitsquote geringer.
awr
Links:
EU-Kommission:
EUROPEANS’ EMPLOYMENT IN THE CONTEXT OF THE ECONOMIC
CRISIS (24.Juli 2009)
Eurostat:
Erhebung zur Jugendarbeitslosigkeit in der EU (23. Juli 2009)



