Der IWF-Vorstand wird am 7. August beschließen, die Währungsreserven seiner 186 Mitgliedsstaaten Ende August mit Sonderziehungsrechten (SZR) im Wert von 250 Milliarden US-Dollar (etwa 175,7 Milliarden Euro) aufzustocken. Ziel dieser IWF-Maßnahme ist es, das globale Wirtschaftssystem mit Liquidität zu versorgen, heißt es in der
Mitteilung des IWF vom 20. Juli 2009. Die Maßnahme selbst war bereits beim G20-Treffen am 2. April 2009 in London vereinbart worden.
Die Sonderziehungsrechte, eine Kunstwährung des IWF, werden nach der bewährten Quotenregelung auf die einzelnen IWF-Mitgliedsstaaten verteilt: Je größer die Wirtschaftsleistung eines Landes, desto größer der Anteil an den zugewiesenen SZR. Letztlich erhöht der IWF durch diese Sonderzuweisung die SZR jedes Landes um 74 Prozent.
Antwort auf die globale Krise
"Diese Sonderziehungsrechte sind eine Schlüsselmaßnahme der IWF als Antwort auf die globale Krise. Sie bietet den IWF-Mitgliedern entscheidende Unterstützung in diesen schwierigen Zeiten", sagte Dominique Strauss-Kahn, Direktor des IWF.
Diese SZR fließen in die Währungsreserven der Staaten ein und dienen somit als preiswerter Liquiditätspuffer für Länder in Geldnot. Damit sinkt der Druck, sich auf dem freien Kapitalmarkt mit Währungsreserven zu versorgen, heißt es in der IWF-Mitteilung.
Die zugewiesenen Sonderziehungsrechte können unter den Staaten gehandelt und somit in "echte Währung" umgewandelt werden. Wenn ein Land keinen freiwilligen Abnehmer für seine SZR findet, kann der IWF reichere Länder verpflichten, sie zu erwerben. Letztlich kann also jedes Land frei entscheiden, ob es die SZR einfach nur als Teil der Währungsreserven hält oder sie umwandelt, um damit zum Beispiel die Zahlungsbilanzschwierigkeiten abzufedern.
So kann die Ukraine im Spätsommer mit zusätzlichen SZR im Wert von etwa 1,5 Milliarden Dollar aus diesem IWF-Topf rechnen – zusätzlich zu der jüngsten IWF-Kreditrate in Höhe von 2,3 Milliarden Euro, die am 28. Juli 2009 genehmigt wurde. (Siehe dazu den EurActiv.de-Beitrag
IWF: Weitere 2,3 Milliarden Euro an Ukraine) Anders als bei den IWF-Krediten, die an harte Auflagen gebunden sind, entscheiden die Staaten frei über die Verwendung ihrer SZR-Polster.
IWF-Maßnahme erreicht Niveau von 1972
Zur Dimension: Mit der IWF-Maßnahme springt das SZR-Polster der Länder erstmals wieder auf das Niveau von 1972, heißt es in einem
IWF-Dokument vom 9. Juni 2009 (englisch). Allerdings entsprechen die Sonderziehungsrechte im Wert von 250 Milliarden Dollar nur etwa 0,33 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts beziehungsweise drei Prozent der globalen Währungsreserven.
Europa reagiert aktiver in der Krise
Die europäischen Nationalstaaten sind der Finanzkrise mit kostspieligeren Maßnahmen entgegengetreten: Die EU-Kommission hat allein bis Ende März 2009 staatliche Beihilfen im Gesamtwert von rund 3.000 Milliarden Euro genehmigt. Das entspricht rund 24 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der EU. Der Wert ergibt sich aus der Summe der Höchstbeträge der Risikoschirme, Rettungs- und Umstrukturierungspakete und anderer Maßnahmen der Mitgliedstaaten. Welche Beihilfen tatsächlich geleistet werden, ist noch nicht absehbar. (Siehe dazu EurActiv.de-Dossier
Comeback der Subventionen)
Spielraum für IWF erweitern
Damit der IWF finanziell angeschlagene Staaten mit Notkrediten unterstützen kann, hatten sich die
G20-Länder verpflichtet, das IWF-Budget um 500 Milliarden Euro aufzustocken, 100 Milliarden davon wollen die EU-Länder beisteuern. Ein Zeitplan sei dafür nicht vorgesehen, doch gehe man davon aus, dass die Länder die versprochenen Gelder bis zur IWF-Jahresversammlung im Oktober überweisen, hieß es beim IWF.
Frankreich ist bisher aber das einzige EU-Land, das die Bereitstellung von 15 Milliarden Euro mit dem IWF bereits vereinbart hat, sagte ein IWF-Sprecher gegenüber EurActiv.de. Der IWF-Direktorenrat müsse dem ausgehandelten Vertrag aber noch zustimmen. Mit anderen EU-Ländern wie Deutschland, Italien und Spanien befinde man sich weiterhin in Vorverhandlungen.
Michael Kaczmarek
Weitere Dokumente
IWF:
IMF Executive Board Backs US$250 Billion SDR Allocation to Boost Global Liquidity (20. Juli 2009)
IWF:
Übersicht zu Quoten, Stimmrechten und Direktoren aller IWF-Staaten (englisch)
G20:
Absichtserklärung der G20 für einen gloablen Plan zur Wirtschaftsbelebung (2. April 2009, englisch)
In den Medien
Tageszeitung:
Krisengewinnler IWF (20. Mai 2009)
Manager-magazin.de:
250 Milliarden Dollar für neue Kredite (21. Juli 2009)
Entwicklungspolitik Online:
IWF schnürt Rettungspaket für arme Länder (30. Juli 2009)
