„Heute reicht die Vision einer europäischen Sicherheitspolitik weit über Europas Grenzen hinaus und schließt den eurasischen Kontinent mit ein. Daher hängt die Lösung vieler akuter Probleme bei globalen Sicherheitsthemen vom konstruktiven Dialog zwischen Europa und Asien ab“, betont Sarsekov in seinem Beitrag.
Sarsekov hebt hervor, dass der Kampf gegen den Drogenhandel in Afghanistan eines der Hauptthemen weltweiter Sicherheit darstellt. Es sei nicht überraschend, dass Kasachstan als Vorsitzland der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) dieses Thema zu einem der Schwerpunkte gemacht habe und die internationale Staatengemeinschaft in dieser dringenden Angelegenheit unterstützen will.
CARICC-Chef Sarsekov im Wortlaut
Am 7. April 2010 hat Kasachstans Präsident Nursultan Nasarbajew in einer Sitzung mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in Astana seine große Besorgnis über die Situation des Drogenproblems in der Region ausgedrückt und einen der Schlüsselmechanismen zur Lösung des Problems aufgezeigt. Er sagte: „Das Zentralasiatische regionale Informations- und Koordinationszentrum im Kampf gegen den Drogenhandel, das seinen Sitz in Astana hat, ist eine wichtige Einheit zur weiteren Stärkung der multilateralen Zusammenarbeit gegen den Rauschgifthandel in Afghanistan.“
Operationen und Einfuhrkontrollen
Heute arbeitet das Zentrum an der Implementierung einer seiner Hauptaufgaben: der Schaffung maximaler Möglichkeiten, die Routen für den Drogentransport aus Afghanistan zu blockieren und die Lieferung von Vorprodukten zur Drogenerzeugung in das Land zu stoppen.
Seit seinem Bestehen koordiniert das Büro Maßnahmen der
CARICC-Mitgliedsländer (Aserbaidschan, Kasachstan, Kirgisistan, Russland, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan) und seinen Partnerorganisationen (UNODC Regionalstelle für Zentralasien, Interpol, Europol, Welthandelsorganisation, das Zentrum gegen den Terrorismus der postsowjetischen Staaten, das regionale Büro für den Kampf gegen grenzüberschreitende Kriminalität, SECI) mithilfe moderner Informationstechnologien und gemeinsamer länderübergreifender Operationen wie zum Beispiel Einfuhrkontrollen.
20 Drogenrouten eliminiert
Trotz seines kurzen Bestehens hat das Büro bereits beachtliche Erfolge im Bereich der Blockierung internationaler Drogenkriminalität erzielt. Insgesamt wurden 20 internationale Drogenrouten eliminiert, darunter Wege in Europa und China, sowie 38 Mitglieder von Drogenkartellen inhaftiert und 232 Kilogramm Heroin und 15 Kilogramm Haschisch konfisziert.
Zudem koordiniert das Büro auch jährliche internationale Operationen, wie z. B. die von der UNODC gestartete „Operation TARCET”, eine Initiative gegen den Drogenhandel mit Maßnahmen gegen den Schmuggel von Chemikalien, die zur Herstellung von Heroin benötigt werden.
Beachtlich ist, dass diese Operation bereits in der Anfangsphase der Arbeit des Büros überaus brauchbare Ergebnisse lieferte. Am 29. April 2010 konnte die tadschikische Exekutive unter der Koordination der CARICC-Stelle mehr als 430 Kilogramm Essigsäureanhydrid sicherstellen, das zur Herstellung von Heroin verwendet wird und daher in vielen Ländern verboten ist.
Informationen aus aller Welt
Neben seiner operationellen Seite hat die CARICC reichlich Erfahrung in strategischer Analyse gesammelt. Das Büro besitzt eine zentrale Datenbank, in die Informationen aus aller Welt einfließen. Die Experten der Koordinierungsstelle nutzen moderne Analyse- und Auswertungsmethoden; sichere Wege zum Austausch von vertraulichen Informationen wurden geschaffen.
Einer der Hauptfaktoren zur Stärkung des Büros ist die Ernennung von Vertretern der CARICC-Mitgliedsstaaten, sogenannte Verbindungsleute, die eine Verbindung zwischen dem Hauptsitz in Astana und den regionalen Stellen gewährleisten. Außerdem steht die Koordinierungsstelle in regem Austausch mit anderen wichtigen Einrichtungen der CARICC-Beobachtungsländer und internationalen Organisationen.
Unsere Partnereinrichtungen befinden sich auf der ganzen Welt. Zurzeit beobachten acht Länder (Österreich, Deutschland, Italien, Japan, Pakistan, USA, Finnland, Frankreich) die Aktivitäten der CARICC. Weitere drei Länder (Großbritannien, Afghanistan und die Türkei) erhalten jetzt den Beobachterstatus.
Bereits sehr enge Verbindungen wurden mithilfe von Anti-Drogen-Einheiten in Afghanistan aufgebaut. Kürzlich wurde eine Vereinbarung über die Unterstützung der CARICC hinsichtlich der Überwachungen von laufenden Operationen zwischen kompetenten Autoritäten in Pakistan und Afghanistan unterzeichnet.
Afghanische Drogentransporte nach Europa
Es gibt zudem enge Beziehungen zwischen der CARICC, Behörden in China und Anti-Drogen-Einheiten im Iran und in der Türkei. Besondere Aufmerksamkeit erfordert auch die praktische Zusammenarbeit mit den Behörden in Italien, einem der wichtigsten Beobachter und Kreditgeber der CARICC, bei der Blockierung von afghanischen Drogentransporten nach Europa.
Es gibt auch eine vielversprechende Zusammenarbeit zwischen der CARICC und internationalen Organisationen wie der Interpol, die auch CARICC Beobachtungsstatus hat. Eine Kooperation mit der südosteuropäischen Kooperationsinitiative (SECI) im Kampf gegen grenzüberschreitende Kriminalität besteht ebenfalls.
Kooperation gegen organisierte Kriminalität
Es gibt mehrere Memoranden über die Zusammenarbeit zwischen der CARICC und der Welthandelsorganisation, dem Antiterrorismuszentrum postsowjetischer Staaten und dem postsowjetischen Koordinationsbüro gegen organisierte Kriminalität. Die CARICC erweitert ihre Zusammenarbeit mit unabhängigen Staaten, der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (CSTO), dem regierungsübergreifenden Koordinierungszentrum (IOCC) in Kabul, dem Büro gegen organisierte Kriminalität (SOCA) und der Organisation der trilateralen Initiative in Teheran.
Alle diese Faktoren bestärken das Interesse und die Besorgnis der internationalen Staatengemeinschaft im Hinblick auf das Drogenproblem und führen zu einer engen Zusammenarbeit im Kampf gegen diese Bedrohung.
Kasachstans OSZE-Vorsitz beabsichtigt, Lösungen für diese Probleme zu finden, die nicht allein Asien betreffen.
Zudem sind alle Angestellten der Koordinierungsinitiative bereit, alle Anstrengungen zur Erreichung gemeinsamer Ziele und zum Abbau von großen Barrieren im gemeinsamen Kampf gegen den Drogenhandel zu unternehmen, einem der weltweit größten Probleme.
Dieser Beitrag von Generalleutnant Beksultan Sarsekov wurde EurActiv.de exklusiv zur Verfügung gestellt.
Hintergrund:
Auf dem Treffen der OSZE-Außenminister am 17. Juli 2010 in Almaty, der früheren Hauptstadt Kasachstans, unterzeichneten OSZE-Generalsekretär Marc Perrin de Brichambaut und Beksultan Sarsekov, Direktor des Zentralasiatischen regionalen Informations- und Koordinationszentrums im Kampf gegen den Drogenhandel (CARICC), ein Kooperationsabkommen. Der Wert dieses Dokuments über die OSZE-CARICC-Kooperation könne gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, betonte Sarsekov.
CARICC (Central Asian Regional Information and Coordination Centre) war erst vor kurzem gegründet worden, um die international organisierte Drogenkriminalität zu bekämpfen. Die Erfahrung der OSZE wird dabei sehr hoch eingeschätzt. Die Vereinbarung soll zum Erfahrungs- und Informationsaustausch sowie zum Expertentraining beitragen.

