ACTA: Unterzeichnung, Lob, Proteste
Die EU hat das umstrittene Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA) unterzeichnet und da...
Lesen Sie weiter
Können Rettungstrupps mit digitaler Hlfe des "Workpad" mehr Menschenleben retten? (Foto: dpa)
Aktuell - Dienstag 3 August 2010 - Digitale Agenda
Die EU-Kommission fördert Projekte, die die Kommunikation zwischen Rettungstrupps verbessern sollen. Nun soll eine Neuentwicklung, die umfassende Hilfe verspricht, weltweit eingeführt werden. Deutschland hält das offenbar nicht für nötig.
Rettungshelfern soll es nun dank einer Weiterentwicklung des „Peer-to-Peer“ (P2P) Systems möglich sein, innerhalb kürzester Zeit mehr Menschenleben zu retten. Diese Technologie wurde bisher nur auf die Vernetzung von Computern untereinander angewendet und wird nun durch „Workpad“ verbessert. Das IKT (Informations- und Kommunikationstechnologien) Projekt, das von der Europäischen Kommission im Rahmen der Digitalen Agenda gefördert wird, hatte 1,85 Millionen Euro zur Verfügung.
Kommissionsvizepräsidentin Neelie Kroes, zuständig für Digitale Agenda, lobt das Forschungsergebnis: "Bei Erdbeben, Waldbränden oder Überschwemmungen müssen alle verfügbaren Ressourcen mobilisiert werden, um möglichst viele Menschenleben zu retten und Notdienste bereitzustellen. Mit Unterstützung durch EU-Forschungsgelder wurde ein großartiges IKT-Instrument entwickelt, mit dessen Hilfe noch besser und schneller auf Notfälle reagiert werden kann."
Nach Erdbeben gilt es, verschüttete Personen möglichst rasch zu erreichen, bevor deren Überlebenschancen drastisch sinken. Deshalb ist die Koordinierung der Rettungsmaßnahmen wichtig, um zu verhindern, dass an einen Ort zu viele Helfer geschickt werden und an einen anderen zu wenige.
Der Schlüssel zur Optimierung der Krisenreaktion liegt in der Verbindung der von Rettungssystemen verwendeten verschiedenen Verwaltungssysteme und Datenbanken. So wird sichergestellt, dass alle Organisationen umfassend informiert sind.
Das Projekt soll also eine bessere Kommunikation zwischen den Rettungstrupps ermöglichen. „Die Verständigung findet bisher nur mittels Funk und Handy statt“, berichtet Nicolas Hefner, Sprecher des Technischen Hilfswerks (THW), auf Anfrage von EurActiv.de.
Jeder Helfer soll künftig ein Handgerät bei sich tragen, den sogenannten Personal Digital Assisstent (PDA). Mit dessen Hilfe kann er auf eine zentrale Schaltstelle gelangen. So kann zum Beispiel mit Hilfe einer Ortungsfunktion die genaue Position anderer Helfer festgestellt werden. Dementsprechend können Aufgaben besser verteilt und gelöst werden.
Details wie Landkarten, Namen von Personen in eingestürzten Häusern oder Schulklassen können zudem ausfindig gemacht werden.
„Bei Erdbeben, Waldbränden oder Überschwemmungen müssen alle verfügbaren Ressourcen mobilisiert werden, um möglichst viele Menschenleben zu retten und Notdienste bereitzustellen“ so Neelie Kroes.
Für das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe scheint dieses Projekt nicht relevant zu sein. Dort hat man davon noch nichts gehört. Die in Deutschland üblichen Instrumente dürften ausreichend sein.
Elena Schulz vom Bundesamt erklärt, dass „der verstärkte Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnik – über den flächendeckend vorhandenen Sprechfunk in Deutschland hinaus – derzeit im Rahmen des Programms der Bundesregierung „Forschung für die zivile Sicherheit" im Förderschwerpunkt „Schutz und Rettung von Menschen" erforscht werde.
Dieses Programm unterstützt diverse Projekte, wie zum Beispiel ALARM (Adaptive Lösungsplattform zur aktiven technischen Unterstützung beim Retten von Menschenleben), ihre Technologien weiterzuentwickeln, um mehr Menschenleben zu retten. Bis 2010 wurden dafür 123 Millionen Euro vom Ministerium für Bildung und Forschung investiert.
Der Erdbebenexperte Peter Bytomski vom Technichen Hilfswerk (THW) sieht das Projekt als „zu viel HighTech, um wirklich weltweit kostengünstig und effektiv einsetzbar zu sein“. Außerdem verweist er auf die LEMA (Local Emergency Management Authority), das lokale Hilfskräfte bereits seit Jahren koordiniert.
Er vermutet: „Solange NGOs (Non-Governmental Organization, Nichtregierungsorganisation) nicht gezwungen werden können, sich unter den Einsatzbefehl der UN oder LEMA zu stellen, solange wird es Lücken in der Koordinierung und der Information geben.“
Eine Presserefentin der Deutschen Roten Kreuzes konnte über die neuen Technologien noch gar keine Auskunft geben – sie hatte davon noch gar nichts gehört und wurde erst durch die Anfrage von EurActiv.de darauf aufmerksam.
In Italien waren erste Probeläufe des Systems erfolgreich - vor allem in Süditalien mit seinen häufigen Waldbränden und gelegentlichen Erdbeben. Derzeit wird in der Tschechische Republik und in Kalabrien auf die Einführung überprüft.
An „Workpad“ beteiligten sich von 2006 bis 2009 Forscher von Universitäten in Italien und Österreich, kleine und mittlere Unternehmen aus der Tschechien und Spanien, IT-Unternehmen sowie die italienische Region Kalabrien.
Im Rahmen des Forschungsprojekts wurden unmittelbar einsetzbare Informations- und Kommunikationstechnologien entwickelt, mit denen die Koordinierung der Krisenreaktion zwischen unterschiedlichen Rettungstrupps optimiert werden kann.
Von den Gesamtkosten in Höhe von 3,16 Millionen Euro wurden 1,85 Millionen aus Fördermitteln des Forschungsrahmenprogramms der Kommission (Sechstes Rahmenprogramm 2001–2006) finanziert.
Weitere von der EU geförderte Forschungserfolge werden auf der „ICT 2010“, Europas größter IKT-Forschungsveranstaltung, präsentiert, die vom 27.–29. September 2010 in Brüssel stattfinden wird.
Wiebke Bredemeier (mit Informationen der Europäischen Kommission)
EU-Kommission:
IKT-Forschung: von der EU geförderte Technologie erleichtert Katastrophenhelfern die Rettung von Menschenleben
Salzburg Research Forschungsgesellschaft:
EU Projekt WORKPAD, eine GeoAnwendung für mobile Einsatzkräfte
Die EU hat das umstrittene Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA) unterzeichnet und da...
Lesen Sie weiter