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Binnenmarkt und Wettbewerb


"Die Banken lassen ihre Kunden im Stich", sagt Verbraucherschutz-Kommissarin Meglena Kuneva. Foto: Presse.

Aktuell - Dienstag 22 September 2009 - Binnenmarkt und Wettbewerb

EU prüft Finanzdienstleistungen für Privatkunden

Kuneva kritisiert Europas Banken

Kompliziert, überteuert, irreführend - Europas Banken erhalten für ihre Kontoführung von der EU-Kommission ein schlechtes Zeugnis. Nach der Lehman-Pleite steht auch das Anlagegeschäft in Deutschland massiv in der Kritik. Tausende Opfer warten auf Entschädigung.

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Bankkunden werden in Europa einer EU-Studie zufolge schlecht beraten. In Deutschland seien auch die Gebühren für ein Konto im EU-Vergleich überdurchschnittlich hoch, geht aus der Opens external link in new windowUntersuchung (Englisch) hervor, die die EU-Kommission heute in Brüssel vorstellte.

Bei Information und Beratung ihrer Privatkunden liegen die deutschen Banken demnach nur im Mittelfeld. "Die Banken lassen ihre Kunden im Stich", kritisierte EU-Verbraucherkommissarin Meglena Kuneva in einer Opens external link in new windowMitteilung. Oft könnten die Kunden nur auf Nachfrage die Kosten für die Kontoführung erfahren. Besonders die Angaben der Banken im Internet seien für die Verbraucher undurchsichtig.

Deutsche zahlen im Schnitt 89 Euro Kontogebühr


Bei den Kosten für die Kontoführung belegt Deutschland laut der Studie den neunten Platz. Im Schnitt kommen auf den Verbraucher in Deutschland jährlich 89 Euro an Kosten für ein Konto zu, hieß es in dem Bericht. Am teuersten ist demnach die Kontoführung in Italien (253 Euro), gefolgt von Spanien (178 Euro). Die niedrigsten Gebühren gebe es in Bulgarien mit 27 Euro.

Österreich und Frankreich ernten am meisten Kritik in Sachen Transparenz und Einfachheit bei der Ermittlung der Kosten. Bei 66 Prozent aller untersuchten Banken sind dem Bericht zufolge die Gebühren derart undurchsichtig gewesen, dass die Experten zusätzliche Informationen einholen mussten, um die tatsächlichen Kosten zu ermitteln.

Mangelnder Verbraucherschutz


"Es gibt zahlreiche Hinweise, dass grundlegende Prinzipien des Verbraucherschutzes verletzt werden - angefangen bei komplizierten Preisen bis hin zu versteckten Gebühren und unklarer sowie unvollständiger Information", bemängelte Kuneva. Nur wenige Kunden - lediglich neun Prozent - wechselten 2007 und 2008 ihre Bank, hieß es in dem Bericht.

Für die Studie wurden 224 Banken untersucht, die den Angaben zufolge 80 Prozent des Marktes der Europäischen Union abdecken. Die EU-Kommission will nun die Umsetzung bestimmter Richtlinien genau beobachten, mit denen verhindert werden soll, dass Verbraucher in die Irre geführt werden.

Anlageberatung in der Kritik


Auch die Anlageberatung von deutschen Banken steht massiv in der Kritik. Jüngst Opens external link in new windowforderte der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) die Bundesregieung auf, Maßnahmen für einen verbesserten Anlegerschutz zu treffen.

"Verbraucherschutz muss ausdrückliches Ziel der Finanzaufsicht werden", forderte vzbv-Vorstand Gerd Billen. "Das Thema gehört auf die Agenda der ersten 100 Tage in der neuen Legislaturperiode." Mit Blick auf die Pleite des US-amerikanischen Bankhauses Lehman Brothers sagte Billen: "Es kann nicht sein, dass Banker zurück zur Tagesordnung kehren, als sei nichts geschehen, während Tausende Opfer noch auf ihre Entschädigung warten."

Die Verbraucherschützer fordern u. a. bessere Risiko-, Rendite- und Kosteninformationen bei Kapitalanlagen und eine Änderung der Anreiz- und Provisionssysteme von Finanzvermittlern. Im Fall von Lehman-Zertifikaten waren sich viel Anleger nicht über die Risiken bewusst und kritisieren, man habe sie falsch beraten.

dpa/awr

Link

EU-Kommission: Opens external link in new windowBericht zu Finanzdienstleistungen für Privatkunden (22. September 2009 / Englisch)

 

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